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Samuel Hürzeler – Nach der Sportkarriere zurück zu den Wurzeln

Samuel Hürzeler ging selbst einmal am Bildungszentrum Interlaken (BZI) zur Schule und unterrichtete früher bereits einmal am BZI. Weshalb er gerne wieder zurückgekommen ist und welche Schwerpunkte er jetzt im Sportunterricht setzt, erzählt er im Porträt.

Samuel Hürzeler gehörte zu den weltbesten Triathleten, heute lehrt er Sport und Allgemeinbildenden Unterricht am Bildungszentrum Interlaken.

Ein Ironman-Triathlon besteht aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen. Diese Distanz hat Samuel Hürzeler über 30-mal auf Profiniveau absolviert, er gehörte jahrelang zu den Weltbesten. Daneben hat er unter anderem auch zwei Gigathlonsiege und neun Siege am Inferno-Triathlon im Berner Oberland feiern können. Die Liste seiner Erfolge ist lang.

Eigene Schulzeit am BZI

Was Hürzeler vor und nach seiner Karriere stetig begleitet hat: das Unterrichten als Turnlehrer am Bildungszentrum Interlaken. Die Berufsschule auf dem «Bödeli» ist so etwas wie sein Fixpunkt rund um seine Karriere, für die er auf der ganzen Welt unterwegs war. «Das BZI hat mich nach meinem Karriereende mit offenen Armen empfangen», sagt Hürzeler. Dies, nachdem er bereits vor seinem Entscheid, Triathlonprofi zu werden, mehrere Jahre am BZI unterrichtet hat. «Das Kollegium ist mehrheitlich dasselbe geblieben, und ich fühlte mich von Beginn an wieder wie zu Hause. Ich bin gerne zurückgekommen», schwärmt er. Und erinnert sich gleichzeitig zurück: «Ich war immer sehr dankbar, dass mir das BZI auch beim Einstieg in den Profisport geholfen hat.»

Als er vor rund sieben Jahren den Schritt in die sportliche Unabhängigkeit gehen wollte, konnte er am BZI weiterhin Stellvertretungen übernehmen – und hatte so eine Rücksicherung, falls es mit dem Profisport finanziell nicht wie gewünscht funktioniert hätte. «Für mich war deshalb immer klar, dass ich nach meiner Profikarriere zuerst wieder beim BZI anfrage und zurückkommen möchte», sagt er. Heute arbeitet er in einer 65-Prozent-Anstellung an der Berufsfachschule.

Und: Er kennt das BZI bereits aus seiner eigenen Schulzeit. Während seiner Lehre zum Automatiker ging er hier selber als Schüler ein und aus. Nach dem Abschluss der Berufsmatur studierte er anschliessend Sport in Magglingen und machte seinen Weg in Richtung Leistungssport, parallel dazu fing er mit dem Unterrichten am BZI an.

«Lernen, lachen, leisten»

Neben Sportlektionen gibt der studierte Sportwissenschaftler seit dem letzten Schuljahr neu auch Allgemeinbildenden Unterricht. Für ihn ein optimaler Ausgleich zur körperbetonten Arbeit in der Turnhalle: «Das passt für mich so sehr gut.» Berufsbegleitend besucht er aufgrund seiner bisher fehlenden Ausbildung in diesem Fach entsprechende Kurse an der PHBern. «Manchmal denken die Berufsschülerinnen und -schüler im Vorfeld, dass der Sportunterricht mit einem ehemaligen Profisportler besonders anstrengend und fordernd sein könnte», lächelt Hürzeler.

Für ihn steht aber etwas anderes im Vordergrund als maximale Anstrengung. Ihm gehe es vor allem darum, dass in der Turnhalle gelernt, gelacht und geleistet werde. Alle drei Begriffe sind für ihn gleich wichtig. «Wenn wir es schaffen, in einer Lektion alle drei abzuhaken, dann war es definitiv eine erfolgreiche Turnstunde», resümiert der in Därligen aufgewachsene Hürzeler.

Er selbst sieht seine Rolle auch darin, dass er meist die letzte sportliche Station für die Jugendlichen in der Schule ist. Deshalb möchte er ihnen noch einmal zeigen, wie vielfältig Sport ist – verbunden auch mit der Hoffnung, dass die Jugendlichen womöglich einen neuen Sport für sich entdecken, den sie auch im Erwachsenenalter weiterführen. «In meinem Unterricht versuche ich möglichst viele Sportarten abzudecken und so das Interesse zu wecken», erklärt er.

Bisher keinen Triathlonunterricht

Auch wenn er selbst sein Trainingspensum im Vergleich zu den Vorjahren stark reduziert hat, dem Sport ist Hürzeler treu geblieben. «Für mich ist Bewegung der optimale Ausgleich zu meinem Schulalltag», sagt er. Deshalb versucht er, den Sport in seinen Alltag zu integrieren. Seinen Arbeitsweg von Heimberg nach Interlaken legt er wann immer möglich dem Thunersee entlang mit dem Rad zurück. Nach zehn Lektionen Unterricht gehe er am liebsten 30 bis 45 Minuten joggen. «Das hilft mir dabei, über meine Arbeit nachzudenken und auch die Gedanken frei zu kriegen», so Hürzeler.

Und obwohl er ehemaliger Triathlonprofi ist, hat er noch nie mit einer Klasse einen Triathlon gemacht. «Das mache ich nur, wenn dies von einer Klasse explizit gewünscht würde», schmunzelt er.

Samuel Hürzeler (41)

hat an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen den Bachelor of Science in Sports sowie den Master of Science in Sports mit Studienrichtung Spitzensport und der Vertiefung in Trainingswissenschaften abgeschlossen. Nach sechs Jahren als Profitriathlet ist er seit Sommer 2024 zurück am BZI und unterrichtet Sport und Allgemeinbildenden Unterricht. Er ist in Därligen am Thunersee aufgewachsen und lebt in Heimberg. Zu seinen grössten sportlichen Erfolgen gehört u. a. der neunmalige Sieg an seinem Heimrennen, dem Inferno-Triathlon, der von Thun auf das Schilthorn führt. Als Profi hat er rund dreissig Ironman-Triathlons absolviert, zwanzig davon unter den besten Zehn.

Yves Brechbühler

Foto: Ruben Ung

 

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