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Die Geschichte der Leselehrmethoden – Viele Wege führen zum Lesen

Methoden, um Lesen zu lehren, gibt es viele. Ein Forschungsprojekt der PHBern hat die Entwicklung dieser Methoden untersucht und kommt zum Schluss: Viele Wege führen zum Lesen. Hauptsache, Interesse und Freude werden geweckt.

1836, anonym: Neues ABC und Bilderbuch für die Jugend

«Es ist erstaunlich, was man sich alles überlegt hat, um Kindern das Lesen beizubringen», so Britta-Juska-Bacher, Dozentin an der PHBern, die das Forschungsprojekt «Die Entwicklung der Leselehrmethoden in der Deutschschweiz» verantwortet. Sie erinnert sich noch, wie sie selbst Lesen und Schreiben gelernt hat. «Über der Wandtafel hingen Bilder, unter denen die passenden Wörter standen, die wir als Ganzes zu lesen lernten. Die Wörter wurden dann durch einen Vorhang verdeckt, und wir mussten sie auswendig wiederum als Ganzes aufschreiben.»

Fibeln als Verbrauchsmaterial
Die Vermittlung des Lesens in der Volkssprache ist seit rund 500 Jahren eine der zentralen Aufgaben der Volksschule. Das entsprechende Lehrmittel wurde – in Anlehnung an die Bibel – lange als Fibel bezeichnet. Im Projekt wurden rund 300 Titel erfasst, gesichtet und teilweise gescannt oder fotografiert, um die Geschichte der Deutschschweizer Leselehrmethoden seit dem 16. Jahrhundert nachzuzeichnen. Da die alten Fibeln als Verbrauchsmaterial galten, wurden sie lange nicht systematisch gesammelt und sind nur lückenhaft erhalten.
Zu Beginn waren Religion und Lesenlernen in sogenannten Katechismusfibeln eng verbunden. Das Alphabet wurde vor- und rückwärts aufgesagt, und Laute wurden zu Wörtern verbunden (synthetische Methode). Später kam die analytische Methode, vom Wort zum Laut. Seit den 1970er-Jahren dominieren Mischformen. «Wir wären heute nicht da, wenn es die Vorgängermethoden nicht gegeben hätte», so die Forscherin. Verändert habe sich der Fokus – weg vom Drill, hin zum Kind. Die eine richtige Methode gebe es nicht, «weil Lesen komplex ist und jede Lehrperson anders lehrt und jedes Kind anders lesen lernt».

Lehrpersonen als Schlüssel
Die aktuelle Praxis ist geprägt von Methodenvielfalt: Eine Kombination aus synthetischen und analytischen Zugängen sowie aus angeleiteten und offenen Lernformen gilt heute als Standard.
Die aktuellen Deutschlehrmittel sind wohldurchdacht und in sich stimmig. Wie eine Methode umgesetzt wird, hängt immer auch von der Lehrperson ab, die stets ihre eigene Note dazugibt. Deshalb ist es von Vorteil, wenn sie bei der Wahl des Lehrmittels im Schulhaus einbezogen wird. «Wenn die Lehrperson sich gut mit einem Lehrmittel auskennt und selbst begeistert ist, kann sie auch das Kind begeistern und sein Interesse am Lesen und Schreiben wecken. Diese erste Phase schafft die wichtige Grundlage für das spätere Leseverstehen und die Lust am Lesen.»

Feste Lesezeiten, kuschelige Leseecke
Um Leseunlust vorzubeugen, können zum Beispiel feste Lesezeiten, auch im ganzen Schulhaus, helfen. Damit wird das Lesen zum gemeinsamen Erlebnis: «Wenn alle Klassen, die Lehrpersonen, Klassenhilfen, auch Abwarte und anderes Personal lesen, gehört das Lesen einfach dazu. Solche Lesezeiten motivieren nicht nur solche Schülerinnen und Schüler, die noch etwas mehr Mühe haben, sondern fördern auch das Gemeinschaftsgefühl», weiss Britta Juska-Bacher. Auch eine kuschelige Leseecke kann Lust aufs Lesen machen und hilft, sich besser zu konzentrieren. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger in der «richtigen» Erstlesemethode als im weiteren Training und in der Lesemotivation.

Lesemethoden grob erklärt

  • Synthetische Methoden: Start bei Buchstaben/Lauten, die zu Silben und Wörtern zusammengefügt werden
  • Ganzheitliche/analytische Methoden: Start bei ganzen Wörtern/Sätzen/Texten, die später in kleinere Teile zerlegt werden
  • Methodenintegration: gleichzeitiges analytisches und synthetisches Vorgehen von Anfang an

Impulse für die Praxis und eine Übersicht über die Leselehrmethoden

Sandra Liechti
Foto: zvg

 

EDUCATION 3.26

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