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Vertraute Welt – Neue Perspektive

Manchmal führt ein langer Weg zurück zu den eigenen Anfängen. Als ich Anfang dieses Monats das Amt als Bildungs- und Kulturdirektor des Kantons Bern antrat, hatte ich ein unerwartetes Gefühl: Ich komme nach Hause. Fünf Jahre Lehrerinnen- und Lehrerseminar in Langenthal, ein berufsbegleitendes Nachdiplomstudium, zwölf Jahre als Klassenlehrer an der Realschule in Thunstetten, drei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Bern – das war mein Lebenslauf vor und während der Politik. Die Schule hat mich geistig nie wirklich verlassen, auch während mehr als neun Jahren als Stadtpräsident von Langenthal und insgesamt über dreizehn Jahren im Grossen Rat nicht.

Ich wende mich deshalb in meinen ersten Worten nicht als Aussenstehender an Sie, der die Bildungswelt nun kennenlernen möchte. Ich schreibe als jemand, der sich erinnert, wie sich eine Klasse am Montagmorgen anfühlt. Der weiss, was es bedeutet, für jede Schülerin und jeden Schüler Verantwortung zu tragen. Der weiss, wie viel Energie, Kreativität und Herzblut in Ihrem Beruf steckt. Und das möchte ich würdigen.

Bevor ich über die Zukunft spreche, möchte ich danken. Christine Häsler hat diese Direktion umsichtig und mit Respekt vor der täglichen Arbeit in den Schulen geführt. Vieles von dem, was sie in den vergangenen Jahren bewirkt hat, ist nicht laut in der Öffentlichkeit angekommen: bessere Entlöhnung, mehr Ressourcen für Klassenlehrpersonen und Schulleitungen, insgesamt verbesserte Rahmenbedingungen auch in der Ausbildung von Lehrpersonen. Das war kein Zufall – es war politische Arbeit mit Überzeugungskraft. Ich danke ihr dafür aufrichtig und nehme dieses Fundament dankbar auf.

Denn die Herausforderungen sind real, und ich werde sie nicht kleinreden: Die Erwartungen an die Volks- und die weiterführenden Schulen steigen – an Lehrpersonen, an Schulleitungen, an das System als Ganzes. Es wird Zielkonflikte geben. Es wird Entscheide geben, die nicht alle glücklich machen. Was ich Ihnen versprechen kann: Ich werde diese Entscheide mit Ihnen treffen wollen und mich erklären. Bildungspolitik, die nicht von denjenigen getragen wird, die täglich in den Schulzimmern stehen, ist keine gute Bildungspolitik.

Ich bin hoffnungsfroh – und das nicht aus Pflicht. Ich bin zuversichtlich, weil ich weiss, was in diesem Kanton möglich ist, wenn Lehrpersonen, Schulleitungen, Behörden, Verbände und Politik gemeinsam in dieselbe Richtung gehen. Ich habe das erlebt. Und ich möchte dazu beitragen, dass dieses Gemeinsame immer wieder spürbar wird.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und die Begegnungen. 

Reto Müller
Bildungs- und Kulturdirektor
reto.mueller@be.ch

Foto/Copyright: Thomas Baumann/Kanton Bern

 

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