Die PHBern arbeitet an einem neuen, multiprofessionellen Studienangebot. Dazu klärt sie die Bedürfnisse der Schulen ab und will mögliche Modelle in Pilotversuchen testen. Über eine Umsetzung soll in gut zwei Jahren entschieden werden.

Lehr- und Fachpersonen verantworten gemeinsam Bildung und Förderung der Kinder: ein Modell, das in immer mehr Klassenzimmern Schule macht. Ziel dieser interdisziplinären Teamarbeit ist es, Lernprozesse und die Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern – speziell von jenen, die zusätzliche Unterstützung benötigen.
An der Schule Stapfenacker im Berner Stadtteil Bümpliz kennt man sich damit aus. «Unsere rund 90 Lehr- und Speziallehrpersonen sowie 15 Klassenhilfen arbeiten seit Langem zusammen», berichtet Armin Imstepf, Mitglied der Schulleitung. Ob Heilpädagogen, Logopädinnen, Psychomotoriktherapeuten oder Mitarbeitende der Tagesbetreuung: Sie kooperieren im Unterricht genauso wie bei dessen Planung, Vorbereitung und Nachbearbeitung. «Die Einbindung in unsere Strukturen und klare Konzepte und Pflichtenhefte garantieren den ständigen Austausch mit den Lehrpersonen. Es ist ein Gewinn für die Förderung der Kinder, wenn alle auf demselben Wissensstand sind und aus den unterschiedlichen Perspektiven frische Ideen entstehen können.»Das Hand-in-Hand-Arbeiten der Beteiligten funktioniere sowohl im alten, denkmalgeschützten Schulgebäude von 1931 als auch im Neubau von 2019 mit seinen weitaus grösseren räumlichen Möglichkeiten. «Entscheidend sind Wille und Haltung zur Zusammenarbeit.»
Was sich die Schule wünscht
Dass der Bedarf an multiprofessioneller Zusammenarbeit wächst, hat mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun. Dazu gehören veränderte Familienmodelle und die Zunahme von Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund. «Allein eine Klasse führen geht bei uns nicht mehr», sagt Imstepf.
Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, brauche es nun in der Ausbildung der Lehrpersonen eine stärkere psychologische Schulung sowie die Koordination verschiedener Fachrichtungen, um die jeweiligen Stärken der Studierenden aufzunehmen. «Und wer frisch in den Beruf startet, sollte ein Praxisjahr absolvieren, zum Beispiel als Klassenhilfe. Dadurch vertieft sich das Verständnis für das Funktionieren einer Klasse.»

Die PHBern hat diesen Ball schon länger aufgenommen. «Multiprofessionalität ist bei uns bereits in vielfältiger Form Thema und Realität», erklärt Rektor Martin Schäfer. Er erwähnt Schwerpunktprogramme in der Forschung, bei der Beratung von Schulen und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. «Bei den Studiengängen für die Primarstufe und die Sekundarstufe I etwa gibt es heilpädagogische Vertiefungsangebote. So antworten wir auf die Heterogenität und den Inklusionsauftrag in den Schulklassen und zugleich auf den Mangel an Heilpädagoginnen und -pädagogen.»
Drei Schwerpunkte für die Pilotversuche
Für die multiprofessionellen Bedürfnisse im Schulumfeld müssen Lehrpersonen aber noch mehr Kompetenzen entwickeln. Das zeigt eine Umfrage der PHBern bei 16 Schulen aller Stufen (Zyklen 1 bis 3, Sekundarstufe II) und mit unterschiedlichen Schulmodellen. Zwar lassen sich durch multiprofessionelle Zusammenarbeit Synergien nutzen und Ressourcen sparen, finden die Befragten. Und Vorteile sehen sie auch im gemeinsamen Lösen von komplexen Problemen im Schulalltag sowie bei der Chancengerechtigkeit und ganzheitlichen Förderung der Schülerinnen und Schüler. Als Herausforderungen werden hingegen Kommunikation und Zeitressourcen sowie der Entwicklungsbedarf vor allem in den Bereichen Rollenklärung, Strukturen der Zusammenarbeit, gemeinsame Förderplanung und Umgang mit Konflikten genannt.
Verbunden mit Forschungserkenntnissen sollen die Rückmeldungen die Grundlagen liefern, um Ende 2028 über ein neues Studienangebot zu entscheiden. Dazu werden drei Themen untersucht und mögliche Lösungen in Pilotversuchen getestet:
- Ausbau der Schulberatung durch das Erweitern der Perspektiven
- multiprofessionelle Zusammenarbeit an den Schnittstellen von Kindertagesstätte, Kindergarten und Tagesschule
- multiprofessionelle Teams: gemeinsame Lernmodule für Lehrpersonen und Klassenhilfen
«Wir möchten eine Ausbildung schaffen, welche die schulischen Bedürfnisse noch stärker aufnimmt und die Chancengerechtigkeit weiter fördert», fasst Martin Schäfer zusammen – «gemeinschaftlich mit den Schulen und anderen Partnern im Bildungsbereich.» Denn zukunftsfähige Lösungen würden durch Offenheit und Lernorientierung im Sinne des von-, für-, und miteinander Lernens entstehen. «Genau das entspricht unserer neuen strategischen Ausrichtung, mit der wir ab diesem Jahr die Weichen für unsere Weiterentwicklung als Hochschule stellen.»
Neue Zusatzqualifikation – Schulische Sprachheilpädagogik SHP+
Seit dem Herbstsemester 2026 bietet die PHBern die neue Zusatzqualifikation SHP+ an. Sie richtet sich an Studierende im Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik und erweitert ihr Wissen im Bereich Schulische Sprachheilpädagogik.
Offen – lernorientiert – gemeinschaftlich
Diese drei Adjektive sind der rote Faden in der strategischen Ausrichtung der PHBern. Als Leitprinzipien prägen sie die Weiterentwicklung der Hochschule auf ihrem gemeinsamen Weg mit Schulen und Partnern im Bildungsbereich.
Marcel Marti
Fotos: Sandra Liechti
EDUCATION 3.26