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CAS Berufliche Orientierung begleiten – Worüber redest du, wenn du eigentlich zuhören solltest?

Eine einfache Frage – und doch steckt in ihr ein erstaunliches didaktisches Potenzial. Evelyne Borer, Weiterbildungsdozentin an der PHBern, über kreative Ansätze und konkrete Ideen für den Berufswahlunterricht.

«Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu zeigen, was sie bereits mitbringen und wie sie diese Ressourcen für die Berufswahl nutzen können.» Evelyne Borer

Viele Lehrpersonen kennen das Bild: Schülerinnen und Schüler füllen Interessenlisten aus, recherchieren Berufe im Internet, besuchen Berufsmessen. Der Ablauf ist rational und strukturiert, doch nicht alle jungen Menschen finden über den Kopf zur Berufswahl.

Interessen spüren, nicht nur benennen

Ein konkreter Einstieg, der sich im Unterricht bewährt hat, klingt verblüffend einfach: Die Lernenden werden gefragt, worüber sie sprechen, wenn sie im Unterricht gerade nicht das machen, was sie eigentlich sollten. Was kommt dann zur Sprache? Fussballfrisuren? Eine Ungerechtigkeit in der Schule? Musik? Die neueste Serie? Hinter diesen scheinbar alltäglichen Gesprächsthemen verbergen sich oft unbewusste Interessen.

Die Autorin Florence Rütsche verfolgt in ihrem Berufswahlbegleitheft «Orientierung gestalten» (2020) diesen Ansatz: weg vom linearen Prozess, hin zum persönlichen Erleben. Ihre erfahrungsorientierten Aufgaben helfen Jugendlichen, einen Zugang zur eigenen Innenwelt zu finden – zu dem, was sie wirklich antreibt.Im nächsten Schritt werden sie eingeladen, tiefer zu forschen: Was fasziniert sie an diesen Themen eigentlich? Und: Wann vergeht die Zeit besonders schnell? Diese Fragen zielen auf etwas Wesentliches. Denn Berufsinteressen wachsen aus gelebten Erfahrungen, aus dem, was uns beschäftigt, begeistert oder auch empört. Wer merkt, dass er stundenlang über Gerechtigkeit diskutieren kann, oder wer immer wieder anfängt, Dinge zu reparieren, ohne dass ihn jemand darum gebeten hat, der bekommt hier vielleicht einen ersten Hinweis auf mögliche berufliche Richtungen.

Vom Gespräch zur Reflexion

Im Unterricht lässt sich dieser Impuls auf verschiedene Weisen weiterführen: als Einzelreflexion im Journal, als Gespräch in Zweiergruppen oder als gemeinsame Auswertung im Plenum. Wichtig ist dabei die Haltung der Lehrperson – neugierig, ohne zu bewerten. 

Neben erfahrungsorientierten Ansätzen gibt es weitere Dimensionen wie Gleichberechtigung, neue Berufe oder Arbeitsrecht, die das Interesse der Jugendlichen wecken können. Berufliche Orientierung ist weit mehr als Informationsvermittlung. Sie bedeutet, Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und ihnen Wege zu zeigen, die sie selbst noch nicht sehen.

Professionell begleiten

Wer diese Begleitung vertiefen möchte, findet im CAS Berufliche Orientierung begleiten an der PHBern eine praxisnahe Weiterbildung. Die nächste Durchführung startet im Januar 2027.

Lisa Peter

Foto: zvg

 

EDUCATION 2.26

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