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Offene Lernformen — Schritt für Schritt zu mehr Selbständigkeit und Motivation

Offene Lernformen fördern bei Kindern und Jugendlichen Selbstständigkeit, Kooperationswillen und Lernfähigkeit – und steigern damit die Motivation. Eine schrittweise Unterrichtsöffnung lohnt sich für Schulen. Die PHBern bietet Hand mit Angeboten, Beratung und Begleitung.

Zwei Verfechterinnen von offenen Lernformen: Karin Joachim (links) begleitet Schulen in Entwicklungsprozessen, und Yvonne Dammert unterstützt Lehrpersonen bei der Umsetzung offener Unterrichtsformen.

«Lernen gelingt besonders dann, wenn Kinder merken, dass sie etwas eigenständig und erfolgreich erledigen können. Und dass sie Unterstützung von der Gruppe oder der Lehrperson erhalten, falls nötig. Unterricht, der Schülerinnen und Schülern mehr Verantwortung und Selbstständigkeit zutraut, ist also motivierend.» So fasst Yvonne Dammert, PHBern-Dozentin, den Nutzen von offenen Lernformen zusammen. Um gleich weiter auszuholen: «Wir fokussieren uns bei Angeboten und Prozessbegleitungen darauf, was bereits an offenen Lernsituationen vorhanden ist. Darauf bauen wir auf.» Yvonne Dammert hat aus den PHBern-Angeboten zusammen mit Helena Follmer ein Programm entwickelt. Sie beraten und begleiten Schulleitungen und Kollegien bei der Öffnung des Unterrichts und der Strukturen.

Gute Gründe für offene Lernformen

Leistungsstand, Entwicklungsphasen und Bedürfnisse liegen in den Klassen oft weit auseinander. Deshalb stösst gleichförmiger Unterricht für alle an Grenzen: «Die Unterrichtsöffnung hilft, der Heterogenität im Klassenzimmer gerecht zu werden. Offenere Lehr- und Lernformen schaffen Raum für individualisierten Unterricht», erklärt Karin Joachim, Dozentin an der PHBern. Sie leitet den «Aktionsplan Schulen stärken», der unter anderem das Ziel hat, Zusammenarbeit an Schulen zu fördern und so auch dem Fachpersonenmangel entgegenzuwirken. 

So gelingt der Einstieg — ohne Überforderung

Schulen müssten über eine längere Zeit bei einer Entwicklung begleitet werden. «Es geht um eine schrittweise Öffnung, jede Schule hat ihr eigenes Entwicklungstempo. Deswegen braucht es eine Prozessbegleitung, die auf die Schule abgestimmt ist», so Karin Joachim weiter. «Viele Lehrpersonen wenden bereits heute Elemente davon an – oft unbewusst. Der erste Schritt ist, vorhandene Stärken und Ressourcen sichtbar zu machen und gezielt auszubauen.» Die Dozentin und Beraterin weist darauf hin, dass «bei einer Unterrichtsöffnung die Rollenklärung und ein gemeinsames Verständnis der Lehrpersonen eine Voraussetzung ist, damit eine Veränderung gelingt. Alle müssen abgeholt werden.» Ausserdem gilt: Teamressourcen nutzen, teilen, statt alles allein entwickeln.

Erste Schritte für Lehrpersonen

  • Start mit einer geöffneten Sequenz pro Woche, aufbauend auf vorhandenem Material und Aufgaben (z. B. unterschiedliche Lernwege, Inhalte, Arbeits- und Sozialformen anbieten)
  • Einführung strukturierter Reflexionsformate, wie eines Logbuchs oder Lernpasses: Was mache ich? Wie lange? Was brauche ich? Was habe ich geschafft?
  • Routinen aufbauen: Arbeitsphasen definieren, Reflexion am Ende, Materialien verfügbar halten– Fehler als Lerngelegenheiten nutzen: stärkenorientiert, lösungsorientiert nachfragen (Wo hat es geklappt?)

Zusammenfassend funktioniert eine Öffnung nicht ohne die entsprechende Struktur. Je offener die Lernform, desto wichtiger sind Orientierung, klare Rollen und gute Lernbegleitung.

Massgeschneiderte Angebote

Sie möchten Schülerinnen und Schüler zu mehr Selbstständigkeit befähigen – und mehr Handlungsspielraum für Lehrpersonen ermöglichen?

Sandra Liechti

Foto: Sandra Liechti

 

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