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Sportförderung — Sporttalente auf dem Weg nach oben begleiten

Weltmeisterin werden und gleichzeitig die Matura schaffen? Das ist hart. Aber die Mittelschulen in Thun, Interlaken und Gstaad bauen ihren Talenten die Brücke zwischen Training und Lernen.

Ein Gymnasium schafft es selten in die Sportschlagzeilen. Dem Gymnasium Thun ist es gelungen: Norina Reusser erzielte letzten Dezember beim entscheidenden Spiel der Unihockey-Nationalmannschaft in Tschechien sechs Tore. Sie steuerte dadurch einen wichtigen Beitrag zum Weltmeistertitel der Schweizer Nationalmannschaft bei. Als die 17-jährige Stürmerin aus Höfen bei Thun danach vor den versammelten Medien über ihre Zukunft sprach, war für sie eines gewiss: dass sie das letzte Jahr im Gymnasium in Thun abschliessen werde.

Namhafte Spitzensportler mit Matura

Dieses klare Bekenntnis zur Schule bedeutet auch, dass die Berner Oberländer Talentförderung einiges richtig macht. Denn Norina Reusser ist eines von insgesamt 105 Sporttalenten, die in den Gymnasien in Thun, Interlaken und Gstaad sowie in der Fachmittelschule Thun gefördert werden.

Zu diesen Talenten gehören auch etliche andere Jugendliche, die schon von sich hören liessen. Etwa Joshua Baumann, der 19-jährige rechte Flügel des Handballclubs Wacker Thun. Er geht in die Fachmittelschule Thun und ist ebenfalls im Talentförderprogramm. Ohnehin hat die Berner Oberländer Talentförderung eine ansehnliche Galerie von erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern, die in Thun, Interlaken oder Gstaad für einen Mittelschulabschluss gebüffelt haben. Auch die Wintersportler Joscha Burkhalter (Biathlon), der dreifache Olympiasieger Franjo von Allmen (Ski alpin) und Sue Piller (Ski alpin) sind Ehemalige des Gymnasiums in Gstaad und standen an den Olympischen Spielen 2026 im Einsatz.

Brücke zwischen Spitzensport und Mittelschule

Eine «Talentschmiede» seien die Berner Oberländer Mittelschulen deswegen nicht, stellt Beat Zimmermann, der Leiter der Talentförderung, klar. «Unseretwegen entsteht kein Talent. Aber wir können den Jugendlichen gute schulische Rahmenbedingungen schaffen.» Das Ziel der Berner Oberländer Talentförderung ist es viel mehr, dass die Jugendlichen ihr Leistungssporttraining samt Wettkämpfen absolvieren und gleichzeitig einen Mittelschulabschluss erreichen können. Die Unterstützung, die die Talente dabei erhalten, ist auf jede Schülerin und jeden Schüler persönlich zugeschnitten und wird zusammen mit den Eltern, den Trainern und den Lehrpersonen abgesprochen. Was die meisten geförderten Sportlerinnen und Sportler in Anspruch nehmen, sind regelmässige oder kurzfristige Dispensationen vom Unterricht, weil sich die Trainings oder die Wettkämpfe nicht mit der Unterrichtszeit vereinbaren lassen. In Absprache mit den Lehrpersonen, aber ohne lange Diskussionen, können die Schüler und Schülerinnen auch Prüfungen vor- oder nachholen.

Einige brauchen auch grössere Anpassungen, weil sie zum Beispiel als Skirennsportler und -sportlerinnen im Winter wochenlang fort sind. Oder wenn sie bereits internationales Niveau erreicht haben und bis zu 50 Prozent dispensiert werden müssen. Diese Jugendlichen können dann zum Beispiel zwei Schuljahre in drei Jahren oder ein Schuljahr in zwei Jahren absolvieren und damit ebenfalls die Maturitätsprüfung aufteilen. Nicht alle Jugendlichen schaffen es gleich gut, den Schulalltag neben dem intensiven Training auch noch zu meistern, stellt Christine Kämpf, die Sportkoordinatorin des Standorts Thun, fest. Bei Bedarf bieten die Schulen ihren Talenten deshalb auch Stützunterricht oder helfen ihnen, sich so zu organisieren, dass sie den Stoff nachholen können. 

Christine Kämpf

«Wir bekommen fast ausnahmslos grosse Unterstützung.»

Beat Zimmermann

«Wir können den Jugendlichen gute schulische Rahmenbedingungen schaffen.»

Zwischen Individualförderung und Talentzug

Bisher hat die Berner Oberländer Talentförderung mit allen Schülerinnen und Schülern eine individuelle Lösung ausgearbeitet. Überlegt wird aber, dereinst auch einen eigentlichen Talentzug zu führen – so wie es etwa das Gymnasium Neufeld in Bern ebenfalls macht. «Wir konkurrieren nicht mit Bern», sagt Christine Kämpf. «Damit können wir einfacher gewährleisten, dass ein Talent aus Spiez mit Training in Thun nicht noch nach Bern zur Schule reisen muss.» Für die Jugendlichen sei es die bessere Lösung, wenn der Wohn-, der Trainings- und der Schulort möglichst nahe beieinander liegen.

Ein weiteres Argument spräche für einen separaten Talentzug. Die individuelle Förderung sei zwar gut. «Doch das Modell stösst an seine Grenzen, wenn zu viele Schüler und Schülerinnen in einer Klasse Speziallösungen brauchen», sagt Beat Zimmermann. «Dann wird es für die Lehrpersonen zu aufwendig.»

Bisher funktionierten die Absprachen jedoch grösstenteils reibungslos. «Wir bekommen fast ausnahmslos grosse Unterstützung. Vielleicht hat das auch etwas mit dem Standort Oberland zu tun», vermutet Christine Kämpf. «Wir haben viele Lehrpersonen, die selbst Sportfans sind.»

Allerdings sind die Jugendlichen auch selbst dafür verantwortlich, Schule und Sport in Einklang zu bringen. Christine Kämpf betont: «Wir räumen den Schülerinnen und Schülern nicht jeden Stein aus dem Weg. Wir sehen uns eher als diejenigen, die einen Weg an den Steinen vorbei zeigen.»

Wer sich als Talent fördern lässt, muss in der Schule mitmachen und sich an die Vereinbarungen halten. So wie etwa der jüngste Teilnehmer des letztjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests Paxton Grass. Er müsse zur Schule, antwortete der 17-Jährige auf die Frage der Medienschaffenden, warum er denn im Herbst nicht in die USA zu den Schwingfesten reise, die dort stattfinden. Grass besucht das Gymnasium in Interlaken und möchte Tierarzt werden.

Erinnerungen bleiben

Etwa ein Fünftel der Sporttalente im Berner Oberland machen Schneesport. Rund zwei Drittel betreiben Spielsportarten: Fussball, Handball, Unihockey und Volleyball. Weniger aufwendig ist die Planung für Jugendliche, die Einzelsportarten wie Leichtathletik oder Orientierungslauf betreiben.

Nicht jedes Talent schafft jedoch den Sprung in den Spitzensport. Für viele geht der Traum von der Sportkarriere zu Ende, bevor sie grosse Erfolge feiern können. «Es gehört auch zur Talentförderung, dass ganz viele den grossen Schritt nicht schaffen», schildert Christine Kämpf die Realität.

Eine Niederlage ist das nicht, weder für die Schule noch für die Jugendlichen. Die guten Erinnerungen bleiben – für die Geförderten wie für die Fördernden. Christine Kämpf und Beat Zimmermann sind sich einig: Auch wenn es viel zu tun gibt, ist es eine schöne Arbeit mit spannenden Menschen.

Die Berner Oberländer Sporttalentförderung

Schon seit längerer Zeit fördern die Oberländer Mittelschulen Sporttalente. 2021 haben sich die Gymnasien in Thun, Interlaken und Gstaad sowie die Fachmittelschule Thun bei der Talentförderung zu BEO TAF Sport zusammengeschlossen und sind seit 2023 eine offizielle Partnerschule von Swiss Olympic.

Als Sporttalent gilt, wer eine Talentkarte von Swiss Olympic hat. Finanziert wird die Förderung durch den Kanton. Dieser spricht Ressourcen pro Schüler und Schülerin mit erfüllten Kriterien. Auch Swiss Olympic beteiligt sich an bestimmten Projekten, etwa an einer neuen Beinpresse für die Skitalente in Gstaad oder an Workshops zu Sporternährung und Sportverletzungen.

Comment les écoles moyennes de l'oberland bernois accompagnent leurs talents sportifs toujours plus haut

En décembre dernier en République tchèque, Norina Reusser a été sacrée championne du monde d’unihockey avec l’équipe nationale suisse. Elle était déjà sûre d’une chose à ce moment-là: elle finirait sa dernière année au gymnase de Thoune.

Âgée de 17 ans, la jeune fille fait partie des 105 talents sportifs qui suivent le programme d’encouragement des talents de l’Oberland bernois proposé dans les gymnases de Thoune, d’Interlaken et de Gstaad ainsi que dans l’ECG de Thoune.

Joscha Burkhalter (biathlon), Franjo von Allmen, récent triple champion olympique en ski alpin, et Sue Piller (ski alpin) sont d’anciens élèves du gymnase de Gstaad. Tous ont participé aux Jeux olympiques 2026.

«Les écoles moyennes de l’Oberland ne sont pas une usine à talents», clarifie Beat Zimmermann, responsable du programme d’encouragement des talents, « mais nous pouvons créer pour les jeunes de bonnes conditions de base à l’école. » Chaque talent bénéficie d’un soutien sur mesure qui est convenu avec les parents, les entraîneuses et entraîneurs ainsi que les enseignantes et enseignants.

Esther Diener-Morscher

Fotos: zvg

EDUCATION 1.26

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