Kreisläufe sind naturgegeben und Modelle für eine Zukunft jenseits von Zerstörung. In Konolfingen hat man von der «Schule der Zukunft» geträumt, eine pädagogische Vision entwickelt, zu der ein kreisrundes Schulhaus entstanden ist. Wer dort arbeitet, schwärmt von neuen Möglichkeiten. Ein Augenschein.

So stellt man sich keine Schule vor, eher eine Raumstation. Doch der kreisrunde Bau liegt nicht auf einem Lichtjahre entfernten Planeten, sondern auf unserer Erde, mitten im Konolfinger Bauernland. Es gibt hier einen Chefhauswart, der neben seinem Vollzeitpensum noch einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb mit Rätischem Grauvieh führt, und auf dem Dach der Schule spriessen 16 500 mehrheitlich einheimische Pflänzchen.
Nähert man sich dem Bau, wird man dazu verleitet, eine Runde drumherum zu drehen, und merkt: Ein Kreis hat keinen Anfang und kein Ende, Ein- und Ausgänge gibt es hier aber viele. Die magische Anziehungskraft der Kreismitte wird spürbar. Es ist ein Garten, Spielplatz, Hof mit Hügeln, Wegen, Sonnen- und Schattenplätzchen. Zwei Frauen beaufsichtigen Kinder der neu eingeführten Basisstufe. Ältere Kinder kreuzen und queren den Innenhof mit Papier und Stift unter dem Arm, verschwinden irgendwo im ringförmigen Gebäude oder steigen Treppen hoch zum gerüstartigen Laubengang im ersten Stock. Auch von dort gelangt man vielerorts ins Innere.
Orientierung im Kreis
«Kaleidoskop» wird diese Schule genannt, und niemand scheint in ihrem vielgestaltigen Innern Orientierungsprobleme zu haben. Das ist erstaunlich, denn die 400 Kinder, die hier zusammengefasst sind, wurden zuvor dezentral in drei konventionellen Kindergärten und vier Primarschulhäusern unterrichtet.
Lehrerin Sarah Hodel lacht: «Ja, auf den ersten Blick wirkt hier alles etwas anders, aber wir haben uns sehr schnell zurechtgefunden, und auch unsere jüngsten Kinder können sich gut orientieren.» Tatsächlich schwirren die Vierjährigen, die sich im Unterricht gerade mit den Bienen beschäftigen, so zielstrebig wie die kleinen, pelzigen Tierchen durch die offenen Räume.
Dies ist wohl auch der einprägsamen Signaletik zu verdanken. Die Zürcher Architektin Sabine Herzog, selbst Mutter schulpflichtiger Kinder, erklärt in einem Film zum Projekt, dass der Ringbau in vier Lernhäuser aufgeteilt sei, die je einen Buchstaben, eine Farbe und eine Form zugewiesen bekamen. «So ergibt sich das Logo des jeweiligen Hauses, also zum Beispiel ein B auf einem roten Dreieck.» Dreieckig ist in diesem Fall auch der Treppenaufgang im Hof, bestückt mit roten Fähnchen. Und wer sagt, dass ein Fenster rechteckig sein muss?
Zyklen 1 und 2 durchmischt

Sarah Hodel arbeitet im Lernhaus «D auf orangem Kreis» und ist «happy». Zusammen mit zwei Kolleginnen ist sie von der Schule Frutigen nach Konolfingen gekommen und hat hier eine der zwölf Basisstufenklassen übernommen. «Die Kleinen schauen sich viel von den Grossen ab und werden erstaunlich schnell selbstständig», stellt die erfahrene Lehrerin fest, «und die Grossen sind stolz auf ihre Verantwortung.»
Die drei Frauen konnten an ihrem vorherigen Arbeitsplatz nicht in dieser Form unterrichten und sind begeistert von den Möglichkeiten, die sich ihnen nun bieten – auch über den Zyklus 1 hinaus. Zu jedem Lernhaus gehören pro Stock ein Cluster mit zwei Basisstufen, einer 3./4. und einer 5./6. Klasse. Vorgabe sei, dass jedes Cluster dreimal pro Schuljahr etwas zusammen unternehme, erklärt Hodel. Im Weiteren sind die Cluster teilautonom und können die Durchmischung der vier- bis zwölfjährigen Kinder nach eigenem Gutdünken gestalten. Ein Sechstklässler, der Pause im Aufenthaltstreppenraum macht, beobachtet das Spiel der Kleinen. Wie ist es, mit den quirligen Kleinen in der Schule zu sein? «Eigentlich ganz schön», sagt er. Und grinst: «Schön und lustig.»
In die Zukunft hineinwachsen

Bernhard Bacher, Mitglied der Schulleitung und Leiter der Abteilung Bildung / Kultur / Sport der Gemeindeverwaltung, findet Durchlässigkeit grundsätzlich wünschenswert. Gerne würde er noch viel mehr durchmischen, etwa die Anstellung der Lehrper18sonen nach Lektionen aufheben und eine Jahresarbeitszeit einführen, «um von diesem Lektionendenken wegzukommen». Der einstige Sekundarlehrer findet es wichtig vorauszudenken. «Ein Schulhaus baut man für die nächsten 50 bis 70 Jahre», erklärt er, «da braucht es eine Vision zur Schulentwicklung.»
An erster Stelle stand in diesem Fall das pädagogische Konzept, dann sollten baulich optimale Bedingungen für dessen Umsetzung geschaffen werden. Projektleiter Bacher ist sichtlich stolz auf das Resultat von zehn Jahren Arbeit. Es habe einfach alles gepasst: das Kollegium, die Ideen des Architekturbüros und der Geist im Gemeinderat. Natürlich gab es auch Widerstände und Stolpersteine. Aber im August 2025 ging die neue Konolfinger Schule mit 20 Klassen, 60 Lehrpersonen und einer Tagesbetreuung in Betrieb.
Auch «Zivi» Yannick Hofer hilft in diesem ersten Jahr mit, das «Kaleidoskop» in Schwung zu bringen. «Es gefällt mir hier», sagt er, der hauptsächlich in der Tagesbetreuung aktiv ist, manchmal auch als Klassenassistenz. Fünf volle Tage die Woche ist er vor Ort, als einer der wenigen. Lehrer werden möchte er zwar nicht, aber: «Ich kann mir vorstellen, neben meinem Beruf als Mediamatiker Teilzeit in dieser Schule mitzuarbeiten.»
Freude am Begleiten

Eine «Schule der Zukunft» darf auch auf Bewährtes setzen. Die 5. und 6. Klasse von Evelyne Badertscher liest zurzeit «Krabat», das bekannte Jugendbuch von Ottfried Preussler aus dem Jahr 1971. Ist es spannend? Aus den Dreiergrüppchen, die locker verteilt im bogenförmigen Klassenraum und im angrenzenden Durchgang zusammensitzen, klingt der Tenor von «ziemlich» bis «mega». Fühlen sie sich wohl im neuen Schulhaus? «Das alte war auch okay … aber das neue ist moderner!» Eine klare Präferenz ist nicht auszumachen.
Dies sei ihre 5. und heterogenste Klasse, sagt Evelyne Badertscher. An der Wand über ihrem Pult hängen Fotos von allen und Glückwünsche zum 29. Geburtstag. «Als junge Lehrerin hat man wohl einen Bonus», lächelt sie. Jedenfalls habe sie jede Klasse mit Freude begleitet: «Die Kinder wachsen mir schnell ans Herz!» Bisher hat Badertscher im Schulhaus Stockhorn unterrichtet. «Vor dem Umzug hierher war ich skeptisch», gesteht sie, «so ein riesiges Schulhaus! Aber jetzt bin ich ein riesiger Fan.» Im Cluster lerne sie schon früh ihre zukünftigen Schülerinnen und Schüler kennen. Ein Stufenteam habe sie hier auch. Und trotz der vielen Kinder gebe es nirgendwo ein Gedränge, die Akustik sei angenehm, das Raumklima perfekt.
Technologie und Ökologie

«Dieses Gebäude funktioniert vollautomatisch», erklärt Chefhauswart Daniel Schüpbach. «Die Beschattung durch Storen und die Kühlung über die Kaltwasserleitungen in den Böden hat letzten August, als wir bei 30 Grad einzurichten begannen, für stabile 20 Grad in allen Räumen gesorgt.» Besondere Freude hat Schüpbach am Dachgarten, der als botanisches Lernumfeld, Rückzugsort und Aussichtsplattform dient. «Das musst du dir ansehen!», sagt er, der als nebenberuflicher Landwirt ein Faible für alles hat, was wächst. Das Substrat, auf dem die Pflanzen gedeihen, sorgt für zusätzliche Kühlung des Gebäudes. Wir wissen: Die Zukunft wird heiss. Aber vielleicht auch fruchtbar, tolerant und solidarisch.
Synthèse : L’« École du futur » suit le concept pédagogique de la perméabilité
Le bâtiment circulaire qui abrite la nouvelle école de Konolfingen ne ressemble pas à une école, mais plutôt à une station spatiale. Pourtant, il se trouve bien sur Terre, dans l’Emmental, et pas sur une lointaine planète. L’établissement a ouvert ses portes en septembre 2025 et regroupe 400 enfants de sept établissements de la scolarité obligatoire. Soixante enseignantes et enseignants, le personnel de l’école à journée continue et un civiliste y travaillent.
« Nous avons rêvé de l’école du futur », explique le chef de projet Bernhard Bacher. Le concept pédagogique reposant sur un apprentissage fluide, à la fois vertical et horizontal, a été au coeur du projet, puis il a fallu créer les conditions de construction optimales pour le mettre en oeuvre. Après dix années de travail, Bernhard Bacher est fier du résultat : tout s’est bien accordé, tant les souhaits du corps enseignant et les idées du bureau d’architectes zurichois EFN que la volonté du Conseil municipal et celle des habitantes et habitants.
L’intérieur et l’extérieur de cette école se fondent l’un dans l’autre. La cour intérieure végétalisée, à laquelle on accède de partout, et le toit praticable, sur lequel poussent 16 500 petites plantes indigènes, sont particulièrement attrayants.
Tina Uhlmann
Foto: Christian Knörr
EDUCATION 2.26