Das städtische Waisenhaus von 1832 steht für das wachsende soziale Engagement in Burgdorf. Heute erklingt in seinen historischen Räumen Musik – und verbindet Geschichte mit lebendiger Nutzung.
Das Gebäude an der Bernstrasse 2 in Burgdorf blickt auf eine lange Geschichte zurück und zählt zu den bedeutenden Zeugnissen der lokalen Baukultur. Ursprünglich als Waisenhaus erbaut, wurde es im Laufe der Zeit unterschiedlich genutzt. Es nahm dabei als soziale Einrichtung und als Bildungsinstitution eine wichtige Rolle im städtischen Leben ein.

Das Waisenhaus entstand 1832/33 und bot ab 1835 verwaisten und bedürftigen Kindern Unterkunft und Betreuung. Von Anfang an erfüllte das Gebäude verschiedene Funktionen und beherbergte unter anderem einen Versammlungs- und Konzertsaal sowie die Stadtbücherei. 1859 zog der Waisenhausbetrieb in den Emmenhof um. Damit endete die ursprüngliche Bestimmung, nicht aber die Bedeutung des Gebäudes: In den folgenden rund 40 Jahren diente es der höheren Mittelschule, bis 1904 das neue Gymnasium auf dem Gsteig eröffnet wurde. Die frei gewordenen Räume nutzte die benachbarte Mädchenschule. 1935/36 zog die Stadtbibliothek aus. Es folgte ein Umbau nach Plänen von Ernst Bechstein.
In den 1970er-Jahren zog die Musikschule ein – sie belebt das Gebäude bis heute. Seit über 50 Jahren füllen die Klänge verschiedenster Instrumente die historischen Räume und machen die Musikschule im klassizistischen Bau zu einem Ort der musikalischen Bildung, der auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen ermöglicht.
Um dem baukulturellen Erbe des stattlichen Massivbaus mit Sandsteinsockel und Rundbogenfenstern gerecht zu werden und seinen Fortbestand zu sichern, wurden 2023 sorgfältige Unterhaltsarbeiten nötig. Dazu gehörten das Ausbessern und Retuschieren von Rissen, um den originalen Verputz aus den 1930er.Jahren zu bewahren. Er wurde nicht überputzt oder gestrichen, sondern gereinigt und instandgesetzt. Für diese Arbeiten hat man Spezialistinnen und Spezialisten der Münsterbauhütte hinzugezogen. Mörtelstellen im Sandstein konnten gefestigt und retuschiert werden, die Dachuntersicht erhielt einen sandsteinfarbigen Anstrich.
Der behutsame Umgang mit der historischen Substanz unter.streicht die Bedeutung des Gebäudes für die Stadt Burgdorf: Seit fast 200 Jahren bereichert es die Region mit seiner vielfältigen und zeitgemässen Nutzung.

Lina Dänzer
Denkmalpflege
Kommunikation und Vermittlung
Historisches Foto: Aus: K. Grütter und C. Kindlimann: Das alte und das neue Gymnasiumsgebäude in Burgdorf, 1904/05
Modernes Foto:
Kaufmann Arm und Jordi AG, Architekten und Planer Burgdorf
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